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Bauernhof in Oberkärnten
Foto: BMLFUW/Rita Newman

Land der Berge – Bergbauern in Österreich

Österreich als Bergland ist ein Beispiel wie Landwirtschaft auch in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten erfolgreich sein kann.

Insgesamt hat Österreich 83.858 km² Bodenfläche und verfügt im Verhältnis zu seiner Fläche über das größte Berggebiet Europas. Österreich hat Anteil an den Ostalpen, die beinahe zwei Drittel der Staatsfläche einnehmen. Aber auch außeralpine Regionen wie das Mühlviertel oder das Waldviertel im Norden Österreichs sind höher gelegen und bergig.
 
Welche land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sind Bergbauernbetriebe?
Bauernhöfe, die Berghöfekataster-(BHK-) Punkte erreichen, fallen unter die Bezeichnung „Bergbauernbetrieb“. Regional verteilt liegen die Bergbauernbetriebe überwiegend in den Hochalpen, Voralpen und am Alpenostrand sowie in den außeralpinen Regionen des Wald- und Mühlviertels.
 
Was ist der Berghöfekataster?
Der Berghöfekataster (BHK) ist die Basis für die finanzielle Abgeltung der Erschwernisse der Bewirtschaftung in den Berggebieten. Es handelt sich um einen „Luftbildplan“, der mit Hilfe von entzerrten Luftbildern, den Orthophotos, aus Bildflügen auf der Grundlage der digitalisierten Katastralmappe erstellt wurde.
 
Das Punktesystem des Berghöfekatasters richtet sich nach der inneren Verkehrslage (Hangneigung, traditioneller Wanderwirtschaft (Almwirtschaft),…), der Äußeren Verkehrslage (Erreichbarkeit der Hofstelle mit PKW oder Traktor, Entfernung der Hofstelle zur nächsten Bushaltestelle, Bahnhaltestelle, Bezirkshauptmannschaft, Wegerhaltung, Seilbahnerhaltung, Extremverhältnisse und regionaler Lage des Betriebs) sowie zu Klima und Boden (Klimawert und Seehöhe der Hofstelle, Bodenklimazahl).
 
Die Summe der Punkte der Einzelkriterien ergibt den BHK-Punktewert des Betriebes. Der Betrag der Ausgleichszulage (AZ) ist u.a. von der Höhe des BHK-Punktewertes des Betriebes ab.
 
Es gibt vier Berghöfekataster-Gruppen:

  • BHK-Gruppe 1: bis 90 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 2: mehr als 90 bis weniger als 180 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 3: mehr als 180 bis weniger als 270 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 4: mehr als 270 BHK-Punkte bis 570 BHK-Punkte
Wieviele Bergbäuerinnen und Bergbauern gibt es in Österreich?
Die rund 71.000 Bergbauernbetriebe repräsentierten im Jahr 2006 rund 37,5 Prozent aller land- und forstwirtschaftlichen Betriebe (insgesamt rund 189.600) Österreichs.
 
Sie bewirtschafteten rund 960.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (ohne Almflächen), davon waren rund 263.000 Ackerland. Damit hatten die Bergbauern rund 40,4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (ohne Almen und Bergmäher) Österreichs inne. Zusätzlich wurden als extensiv genutztes Grünland rund 481.000 Hektar Almen bewirtschaftet.
 
Die durchschnittliche landwirtschaftliche Fläche eines Bergbauernbetriebs beträgt nur 13,5 Hektar und ist somit besonders auch im europäischen Vergleich sehr klein.
 
Zur Wirtschaftsleistung der Bergbauernbetriebe: Rund 33.000 dieser Bergbauernbetriebe produzierten Milch, das sind 70 Prozent der Erträge aus der Milchviehhaltung. Sie produzierten 60 Prozent der Erträge aus der Rinderhaltung und 72 Prozent aus der Forstwirtschaft. Die Erträge aus der Bodennutzung (9 Prozent) und der Schweinehaltung (8 Prozent) hatten nur geringe Bedeutung.
 
Große Bedeutung hat der biologische Wirtschaftsweise für Bergbauernbetriebe. 15.000 dieser Bergbauernbetriebe sind Biobetriebe.
 
Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft aller Bergbauernbetriebe im Jahr 2006 waren mit rund 21.500 Euro um 12 Prozent höher als im Vorjahr. Die Ausgleichszulage trug wesentlich zu den Einkünften bei, vor allem bei Bergbauernbetrieben mit hoher und extremer Erschwernis.
 
Bergbauernförderung in Zukunft - Ländliche Entwicklung 2007-2013
Ende Oktober 2007 hat die EU-Kommission das Österreichische Programm für die ländliche Entwicklung 2007-2013 genehmigt. Dieses Programm wird auch der „grüne Pakt“ genannt. Im Schwerpunkt 2 „Verbesserung der Umwelt und der Landschaft“ sind die Ausgleichszulage („Bergbauernprogramm“) und das Agrar-Umweltprogramm (ÖPUL) die wichtigsten Förderprogramme. In den Programmjahren 2007-2013 wird mit 5,661 Mrd. Euro gefördert.
 
Die Antragstellung erfolgt über den Mehrfachantrag. Die Höhe der Ausgleichszulage (AZ) ist weiterhin abhängig von der Art und dem Ausmaß der AZ-fähigen Fläche (Futterflächen werden höher gefördert als sonstige AZ-fähige Flächen), von der Anzahl der Berghöfekataster-Punkte als Maß der Erschwernisbeurteilung und von der Art des Betriebes.
 
Auch Nicht-Bergbauern (Betriebe ohne BHK-Punkte), die AZ-fähige Flächen im Benachteiligten Gebiet bewirtschaften, erhalten die Ausgleichszulage, allerdings im geringeren Ausmaß als Bergbauernbetriebe. Diese sind im „Sonstigen Benachteiligten Gebiet“ und in den „Kleinen Gebieten“ zu finden, die durch einen niedrigen Bodenertrag und andere ständige spezifische Nachteile charakterisiert sind.
 
Ausgezahlte Bergbauernförderungen „Ausgleichszulage 2006“
Im Jahr 2006 wurde die EU-Ausgleichszulage an rund 102.000 Betriebe des gesamten benachteiligten Gebiets Gebiet (Berggebiet, Sonstige benachteiligte Gebiete, Kleine Gebiete) ausgezahlt. Es wurden über 275 Mio. Euro ausgezahlt.
 
Die Abgeltung von Benachteiligungen und Erschwernissen, die den Verbleib auf den oftmals entlegenen Höfen erst möglich macht, bleibt eine wichtige Aufgabe der Agrarpolitik. Denn dieses Förderinstrumentarium ist ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der Besiedelung und Bodenbewirtschaftung auch unter ungünstigen Standortbedingungen. Mit der Ausgleichszulage werden so auch die im öffentlichen Interesse erbrachten Leistungen dieser Betriebe anerkannt.
 
Almwirtschaft – traditionelle Bewirtschaftungsform in Österreichs Alpen
Rund 17 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, entfällt auf Almen (481.000 ha) und Bergmähder (5.000 ha), die sich vor allem in den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Salzburg befinden.
 
Almen sind Grünlandflächen, die wegen ihrer Höhenlage und der dadurch bedingten klimatischen Verhältnisse als Weiden mit Viehbesatz bewirtschaftet werden. Bergmähder sind Grünlandflächen oberhalb der ständigen Siedlungsgrenze, die höchstens einmal im Jahr gemäht werden.
 
Mit mehr als 9.000 bewirtschafteten Almen durch 71.000 Almbäuerinnen und Almbauern liegt Österreich EU-weit an der Spitze. Im Jahr 2006 wurden rund 426.500 Stück Vieh auf die Almen aufgetrieben. Das waren vorwiegend Rinder und Mutterkühe, Milchkühe und Schafe, zu geringem Anteil auch Pferde und Ziegen. Eine artgerechte Tierhaltung wird so gefördert.
 
Österreichs Almen sind wichtig für die Artenvielfalt und Biodiversität, aber auch wichtige Produktionsflächen für Lebensmittel. Nur durch die Bewirtschaftung der jahrhundertealten bäuerlichen Kulturlandschaft der Almen wird der Fortbestand sichergestellt. Nach Auflassung der Beweidung verlieren Almen innerhalb weniger Jahre ihren almwirtschaftlichen Wert. Brachgefallene Almen können nur mit hohem Aufwand und nur innerhalb langer Zeiträume regeneriert werden.
 
In Österreich hat der Tourismus im Alpenraum einen Schwerpunkt und profitiert von den malerischen Almen. Diese stellen Anziehungspunkte für den Wintersport und den Alpin- und Wandertourismus dar.

22.02.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit